FESTGOTTESDIENST

Joseph Haydn: „Paukenmesse“, Festgottesdienst

Sonntag

11

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08

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2024

9:30 Uhr

Messe

Stiftskirche Öhningen

Veranstaltungsort

Stiftskirche Öhningen

Festgottesdienst
Joseph Haydn
(1732 – 1809): Missa in tempore belli, „Paukenmesse“ Hob. XXII: 9 in C-Dur

Es ist gute Tradition der Höri Musiktage, gemeinsam mit der Kath. Kirche Höri den historischen Auftrag und die Spiritualität des ehemaligen Augustiner Chorherrenstifts und seiner barocken Kirche musikalisch zu würdigen.

Projektchor und -orchester werden alljährlich für diese traditionsreiche Messe zusammengestellt. Die Leitung hat Markus Andreas Schmid.

Joseph Haydn widmete sich nach seiner letzten Sinfonie 1795 neben Streichquartetten vor allem großen Oratorien und Messen. Seine Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ erlangten sofort große Anerkennung, ja Berühmtheit bis heute. Seine Messekompositionen lösten dagegen durchaus widersprüchliche Reaktionen aus bis hin zu heftiger Ablehnung. Entstanden ist die „Missa in tempore belli“ als Auftragswerk zum Namenstag der Fürstin Esterházy und erklang erstmals im September 1796. Sie steht also keineswegs, wie so oft behauptet, in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit Bonapartes Vorrücken in die Steiermark, die deutlich später erfolgte. Der „Missa in tempore belli“, bekannt auch als „Paukenmesse“, wurde vorgeworfen, eher Züge einer komischen Oper zu haben, als den Erwartungen an eine christliche Messe zu entsprechen. Wahre Frömmigkeit klinge anders, durch den herausgehobenen Einsatz der Pauke habe Haydn das Vordringen der Weltlichkeit in die Kirchenmusik zugelassen! Diese Auffassungen von der „Paukenmesse“ wurden zum Glück Ende der 1890er Jahre gründlich revidiert. Sehr wahrscheinlich hat Haydn selbst den Titel „Missa in tempore belli“ ausgewählt, weil Napoleon Bonaparte im ersten Koalitionskrieg in Wien als Bedrohung erlebt wurde und zukünftig mit einem Angriff auf die Stadt Wien zu rechnen war. Die ungewohnten Paukenschläge im Agnus Dei könnten als verlangsamtes Zitat des französischen Armee-Paukenwirbels gemeint gewesen sein. Wirklich geklärt ist das nicht. Diese Messe ist aus heutiger Sicht keinesfalls eine eher weltliche Komposition, sondern eine ungemein fröhliche, auch berührende Messe, in der die Sündhaftigkeit des Menschen nicht im Mittelpunkt steht, sondern eher die Freude über die erfahrene Gnade Gottes. So sollte sie auch gerade heute als Ermutigung und Freude erlebt werden, als Gegengewicht zu aktuellen „tempora belli“.

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