CLAIR-OBSCUR

Memorias! Astor Piazzolla und seine Idole – Ein Leben in 6 Bildern

Donnerstag

08

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08

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2024

20 Uhr

30€/50€

Klosterhof Öhningen

Veranstaltungsort

Klosterhof Öhningen

„Das Saxophonquartett, das alles kann..“ (FAZ)

Das Saxophonquartett clair-obscur gehört seit vielen Jahren zu den renommiertesten Quartetten seiner Art. Die individuelle Qualität seiner Mitglieder, die regelmäßig die Saxophongruppe der Berliner Philharmoniker bilden und als Dozenten an diversen Musikhochschulen unterrichten, wird im Zusammenspiel noch gesteigert.

Carlos Giménez - Sopransaxophon
Maike Krullmann - Altsaxophon
Christoph Enzel - Tenorsaxophon
Annegret Tully - Baritonsaxophon

Memorias - Astor Piazzolla und seine Idole – Ein Leben in 6 Bildern.

»Memorias« ist das Geburtstagsgeschenk von clair-obscur an Astor Piazzolla, der 2021 100 Jahre alt geworden wäre. »A manera de memorias« heißt ein vom argentinischen Autor Natalio Gorin zusammengestellter Band von Interviews mit Astor Piazzolla aus den Neunzigerjahren. Die Idee zum vorliegenden Album beruht auf diesem Buch, das umfassende Einblicke in die musikalische Welt Piazzollas erlaubt. clair-obscur hat Werke von Piazzollas sechs wichtigsten musikalischen Vorbildern ausgewählt, um sie seinem Schaffen gegenüberzustellen. In sechs Bildern kreisen die musikalischen Erinnerungen um diese Stationen im Leben der Tangolegende. Um Menschen, die Piazzolla begleitet und Komponisten, die ihn inspiriert haben, von Bach bis Strawinsky, Ginastera und Gershwin.

Bild I: Bach
„Mit dem Kopf war ich auf den Straßen New Yorks, aber die Musik die ich anbetete, war Bach.“

1. Johann Sebastian Bach (1685-1750): Kunst der Fuge Contrapunctus 1 (Arr. Friedeman Graef, Ries&Erler)

2. Astor Piazzolla: La muerte des Angel (Arr. J. v.d. Linden, Molenaar Edition)

3. Johann Sebastian Bach: Kunst der Fuge Contrapunctus 9 (Arr. Friedeman Graef, Ries&Erler)

„Die Kunst der Fuge“ ist wohl eines der faszinierendsten Werke der Musikgeschichte. Die 14 Fugen und vier Kanons, die alle das selbe Thema verarbeiten, geben bis heute Anlass zu vielfältigen Spekulation. Unter anderem auch darüber, welche Instrumentierung vom Komponisten vorgesehen war. Die von J.S. Bach hier zur Meisterschaft getriebene barocke Fugentechnik findet sich in zahlreichen Werken Piazzollas. „La Muerte del Angel“ ist ein besonders hinreißendes Beispiel.

Bild II: Paris
„Als ich sie traf, zeigte ich Nadia Boulanger meine Tonnen voller Sinfonien und Sonaten. Sie schaute sie durch und fällte dann ein erschütterndes Urteil: „Sehr gut geschrieben!“ sprach sie, unterbrach mit einem Punkt so groß wie ein Fußball und fuhr nach einer langen Pause fort: „Hier klingt es wie Strawinsky, dort wie Hindemith, da wie Ravel. Nur Piazzolla kann ich nirgendwo finden.“

4. Maurice Ravel: Pavane pour une Infante défunte (Arr. C. Enzel, Advance Music)

5. Astor Piazzolla: Milonga del Angel (Arr. J. v.d. Linden, Molenaar Edition)

Die Worte von Nadia Boulanger waren es, die  Piazzolla zu dem Komponisten machten, als der er in die Geschichte eingehen sollte. In Folge seines einjährigen Studiums bei ihr vernichtete er sein gesamtes kompositorisches Schaffen der vorangegangenen 10 Jahre. Aus den Einflüssen traditionellen argentinischen Tangos und klassischer europäischer Musik entwickelte er in der Folge seinen eigenen Stil. Den „Tango Nuevo“. Ravel´sche Melodik und impressionistische Stimmungen wie am Anfang der „Milonga del Angel“ sind Spuren der Verehrung, die Astor Piazzolla auch in späteren Jahren noch für seine großen Vorbilder hegte.

Bild III: Stravinsky

„Stravinsky war meine Lehrer, ohne dass ich ihn jemals traf. Stravinskys „Sacre du Printemps“ lag in meiner Jugend immer auf meinem Nachttisch. In vielen meiner Stücke hört man seinen Einfluss“

6. Igor Stravinsky (1882-1971) : Zirkuspolka (Arr. O. Mühlenhardt, Schott Verlag)

7. Astor Piazzolla: Four for Tango (Arr. A. Voirpy, Verlag Leduc)

Ende 1941 kontaktierte das Management des Ringling Brothers & Barnum & Bailey Circus Balanchine mit der ungewöhnlichen Bitte, für die nächste Frühjahrssaison in New York eine Zirkusnummer für deren berühmte Elefantengruppe zu choreografieren. Balanchine schlug sofort eine Zusammenarbeit mit Stravinsky vor, die das Zirkusunternehmen begeisterte. Strawinsky erfuhr aber erst am 12. Januar 1942 telefonisch von dem Vorschlag. Balanchine gab später das Gespräch mit Strawinsky folgendermaßen wieder:

Balanchine: „Ich wollte Dich fragen, ob Du ein kleines Ballett mit mir zusammen machen willst.“

Stravinsky  „Für wen?“

Balanchine: „Für einige Elefanten.“

Stravinsky : „Wie alt?“

Balanchine: „Sehr jung.“

Stravinsky (nach einer Pause mit ernster Stimme): „In Ordnung. Wenn die Elefanten sehr jung sind, dann mache ich es.“

Es ist unwahrscheinlich, dass es zur Entstehungsgeschichte von „Four for Tango“ einen ähnlich unterhaltsamen Dialog zwischen den Mitgliedern des auftraggebenden Kronos Quartetts und Astor Piazzolla gab. Das musikalische Profil des auf zeitgenössische Musik spezialisierten Ensembles mag den Komponisten aber angeregt haben, dem Tango harsch und wild – und äußerst stravinskyesque – alles Gefällige auszutreiben.

Bild IV: Gardel
„Wenn ich heute noch einmal mit Carlos Gardel spielen könnte: Ich bin mir sicher, meine Hände
würden zittern. Er war der beste Tanguero den es jemals gab.“

8. Astor Piazzolla: Milonga Picaresque (Arr. J. v.d. Linden, Molenaar Edition)

9. Carlos Gardel (1890-1935): Mi Bueons Aires Querido Come una Cabeza (Arr. C. Enzel)

Im traditionellen Tango Argentino liegen die tiefsten Wurzeln der Musik Piazzollas. Instrumentierung, Titel, Strukturen und formale Abläufe nehmen fast durchweg Bezug auf dieses Vorbild. Carlos Gardel war eines der großen Idole Piazzollas – und tatsächlich sogar schon seines Vaters. Aus Verehrung für Gardel kaufte dieser seinem Sohn angeblich sein erstes – angeblich anfangs völlig ungeliebtes -  Bandoneon. Die Milonga Picaresque zeigt, im Gegensatz zu den meisten hier präsentierten Tangos, kaum Einflüsse europäischer geprägter Klassik. Sie kommt ihrem Vorbild so nahe, dass kaum auszumachen ist, welches der beiden Stücke als Tango Nuevo und welches als Tango Argentino zu bezeichnen wäre.

Bild V: Ginastera

„Alberto Ginastera war mein erster Lehrer. Von ihm habe ich alles Grundlegende gelernt. Er war der wichtigste argentinische Komponist, den es je gab.“

10-13 Alberto Ginastera (1916-1983): Danzas Argentinas, Op.2

I. Danza del viejo Boyero II. Danza de la moza donosa III. Danza del gaucho matrero IV.Milonga

(Arr. C. Enzel, Editions Durand)

Wie auch später sein weitaus berühmterer Schüler Astor Piazzolla verband Alberto Ginastera in seiner Musik traditionelle Rhythmen argentinischer Folklore mit der Harmonik moderner klassischer Musik. Formal und vor allem im Hinblick auf die Ausweitung der Tonalität ist seine Musik jedoch wesentlich „europäischer“: Der Einfluß der zeitgenössischen Musik des 20.Jahrhunderts dominiert. Die Stücke sind reich an scharfen Dissonanzen, teilweise sogar polytonal, rhythmisch sehr komplex und trotzdem absolut hinreißend.

Bild VI: Jazz

14. George Gershwin: Walkin' the Dog (Arr. C.Enzel)

15. Astor Piazzolla: Resurrecion d'el Angel (Arr. J. v.d. Linden, Molenaar Edition)

16. George Gershwin: I got Rythm (Arr. Art Marshall, Ardito Publications)

17. George Gershwin: Oh, Lady be good (Arr. Art Marshall, Ardito Publications)

„Als Jugendlicher in New York liebte ich Jazz. George Gershwin, Duke Ellington, Cab Calloway. Viele Tangueros lehnten Jazz ab. Ich fand immer, dass das ein Fehler ist.“

Wie auch George Gershwin war Astor Piazzolla in vieler Hinsicht stark vom Jazz beeinflusst.

Er arbeitete eng mit berühmten Jazzmusikern wie Gerry Mulligan zusammen.

Seine diversen Bands, ganz besonders das berühmte „Electronical Octet“,  waren nicht wie traditionelle Tangoorchester besetzt. Sie waren im Grunde um Bandoneon erweiterte Jazzbands. Auch die Improvisation spielte in ihnen eine wichtige Rolle. So verwundert es nicht, dass Piazzolla einen seiner größten Erfolge auf dem berühmten Jazzfestival in Montreux feierte.

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