five – nine – eight
Ein Sommernachtstraum – Meisterwerke der Kammermusik
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Ein Sommernachtstraum op. 61, Arr. Ulf-Guido Schäfer
– Pause –
Olav Ehala Mustonen (geb. 1950): Nonett Nr. 2
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Oktett Es-Dur op. 20
Dozentinnen und Dozenten der Orchester-Akademie der Höri Musiktage: Alvaro Pérez Puerta, Dorothea Stepp (Violinen), Midori Kusakabe (Viola), Anna Kalvelage, Larissa Nagel (Cello), Hans Greve (Kontrabass), Sónja Pais (Flöte), Marie Tetzlaff (Oboe), Joel Cardoso (Klarinette), Clara Manaud (Fagott), Alec Frank-Gemmill (Horn), Caique Sant’anna (Trompete), Sprecher Markus Süss
Poetisch, märchenhaft, fantastisch erscheint die Welt der Elfen und Kobolde in Mendelssohns berühmtem Sommernachtstraum. Mit einem Arrangement zu dieser Schauspielmusik zu beginnt das Programm. Die berühmte Musik, die Mendelssohn ursprünglich für Shakespeares Komödie komponierte, zählt zu seinen poetischsten und farbenreichsten Schöpfungen. In der Fassung für Holzbläserquintett von Ulf-Guido Schäfer entfaltet sich der charakteristische Mendelssohn-Klang in transparenter, kammermusikalischer Gestalt: leichte, schwebende Figuren, funkelnde Klangfarben und eine märchenhafte Atmosphäre lassen die Welt der Elfen, Kobolde und Liebesverwirrungen lebendig werden. So eröffnet dieses Arrangement den Abend mit jener spielerischen Fantasie und klanglichen Leichtigkeit, die Mendelssohns Musik so unverwechselbar machen.
Zauberhaft schillernd, fremdartig betörend öffnen sich die Klangräume des estnischen Komponisten Olli Mustonen in Nonett No. 2. Dieses Werk bildet einen spannungsvollen Kontrast zu Mendelssohn. Mustonen, international bekannt als Pianist und Dirigent, verbindet in seinem kompositorischen Schaffen historische Bezüge mit einer unverkennbar zeitgenössischen Tonsprache. Sein Nonett erweitert den kammermusikalischen Raum um neue Farben und Strukturen. Die größere Besetzung eröffnet vielfältige klangliche Schichtungen: Linien überlagern sich, rhythmische Impulse treiben voran, dichte Akkordflächen wechseln mit transparenten Momenten.
Im Dialog zwischen Tradition und Gegenwart entsteht eine Musik, die gleichermaßen intellektuell durchdrungen wie emotional unmittelbar wirkt. Mustonen greift klassische Formen und Gesten auf, bricht sie und führt sie in überraschende Richtungen. So begegnen sich in diesem Programm zwei Werke, die trotz ihres zeitlichen Abstands eine gemeinsame Idee teilen: die Erweiterung des kammermusikalischen Denkens. Mendelssohn sprengt im 19. Jahrhundert die Grenzen des Streichquartetts, Mustonen lotet im 21. Jahrhundert neue Räume des Ensemblespiels aus – beide mit leidenschaftlicher Neugier und kompositorische Fantasie.
Mit dem Oktett Es-Dur op. 20 schuf Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1825 ein Werk, das in seiner Besetzung wie in seiner musikalischen Kühnheit singulär ist. Gerade einmal 16 Jahre alt, entwirft Mendelssohn hier ein Klangbild von erstaunlicher Reife, Energie und Transparenz. Anders als bei vielen kammermusikalischen Großbesetzungen denkt er das Ensemble nicht als doppeltes Streichquartett, sondern als organischen Gesamtklangkörper: Acht individuelle Stimmen verschmelzen zu einer symphonischen Einheit, ohne ihre kammermusikalische Feinheit zu verlieren.
Schon der erste Satz sprüht vor Bewegungsdrang und melodischem Einfallsreichtum. Im Andante entfaltet sich eine liedhafte Innigkeit, die den warmen, gesanglichen Ton der Streicher in den Mittelpunkt stellt. Das federnde Scherzo – inspiriert von Goethes „Faust“ – wirkt wie ein flirrendes Spiel aus Licht und Schatten, während das Finale mit kontrapunktischer Raffinesse und unbändiger Spielfreude den Bogen spannt. Mendelssohns Oktett ist jugendlicher Überschwang und kompositorische Meisterschaft zugleich – ein Meilenstein der romantischen Kammermusik.