Echoes of water – Festakt
Georg Friedrich Händel: Wassermusik
Ensemble BaroqueLAB Frankfurt, große Jubiläumsbesetzung
Künstlerische Begleitung Petra Müllejans
Licht- und Videokunst Markus Brenner
Vorprogramm:
Georg Friedrich Händel (1685-1759) Réjouissance aus „Music for a Royal Firework“ HWV 351
Johann Heinrich Schmelzer (1623-1680) Variationen über „La bella Pastora“ für 2 Violinen und B.c.
Georg Philipp Telemann (1681-1767) Suite in g-Moll TWV 55:g1 „La Musette“ Ouvertüre – Napolitaine – Polonaise – Mourky – Menuett – Musette
Michel Richard de Lalande (1657-1726) Chaconne aus „Les Fontaines de Versailles“
–– Pause ––
Hauptprogramm:
Georg Friedrich Händel:
Wassermusik 1. Suite in F-Dur HWV 348
Ouvertüre/Largo/Allegro – Adagio e staccato – (Allegro) – Andante – Allegro – Air – Minuet – Bourrée – Hornpipe – (Allegro moderato)
Concerto Grosso Op. 6 Nr. 3 HWV 321
Larghetto – Andante – Allegro – Polonaise – Allegro ma non troppo
Wassermusik 2. Suite D-Dur HWV 349
(Allegro) – Alla Hornpipe – Minuet – Lentement – Bourrée
Ein Fluss, 50 Musiker und ein König auf PR-Mission: Händels Wassermusik!
Am 17.7.1717 erblickt Händels Wassermusik auf der Themse in London das Licht der Welt. Schon das Datum verrät ein deutliches Gespür für Inszenierung. Die Uraufführung der Wassermusik ist ein von langer Hand geplantes, extraordinäres Musikspektakel. Die buchstäblich dahinfließende Aufführung dieser Freiluft-Musik dient in erster Linie der Popularisierung von König Georg I.
„Am Mittwochabend, ungefähr um acht, begab sich der König bei Whitehall in eine offene Barke, (…) auf eine Bootsfahrt. (…) Viele andere Barkassen mit Personen hohen Ranges nahmen daran teil, die Zahl der Boote war so groß, dass geradezu der ganze Fluss bedeckt war. In einem Schiff der Stadtgilde spielten die Musiker, die über fünfzig Instrumente jeglicher Art verfügten. Sie spielten den ganzen Weg von Lambeth die schönsten, besonders für diesen Anlass von Mr. Händel komponierten Sinfonien, welche Seiner Majestät derart gefielen, dass sie auf dem Hin- und Rückweg dreimal wiederholt werden mussten.“ (The Daily Courant, 1717)
Die Wassermusik ist weniger Darstellung von Wellen und Wasserspielen, vielmehr klangliche Illustration des Königs von Großbritannien – und zwar in aller Öffentlichkeit. Der Klang der Hörner porträtiert Georg I. als passionierten Jäger, die Trompeten als mächtigen Potentaten. Eine Festmusik mit Ouvertüren, Melodien mit reichlich Hit-Potenzial, opulenter Besetzung und prunkvoll-lebensfrohem Tonfall – Händels Wassermusik ist die ideale musikalische Untermalung einer repräsentativen Lustfahrt des bislang eher unzugänglichen Monarchen.
Der König, als gebürtiger Hannoveraner in England beargwöhnt, bekommt hier einen Soundtrack, der das Volk unmittelbar erreicht, komponiert vom ebenfalls in das Londoner Leben hineingewachsenen Händel. Dem gab dieses Großereignis die Gelegenheit, sich mit dem König wieder gut zu stellen, den er zuvor in höchstem Maße verärgert hatte, als er ihm als Kurfürsten in Hannover den Dienst quittiert hatte, indem er von einer London-Reise als Kapellmeister nicht zurückgekehrt war. Seine Wassermusik stellte nun versöhnlich ein pompöses Spektakel, dem das Volk kostenlos beiwohnen konnte, ja sollte, um die imposante Inszenierung zu bestaunen.
Händel ließ die Wassermusik zu Lebzeiten nicht im Druck veröffentlichen, das Autograph ist außerdem verschollen. Mehrere Abschriften und Transkriptionen zeugen jedoch von der großen Beliebtheit der Sammlung auch lange nach ihrer Uraufführung. Diese Begeisterung ist bis in die Gegenwart spürbar: Händels Wassermusik zählt heute zu seinen prominentesten Werken.
Zwischen die beiden Suiten der Wassermusik tritt ein Concerto grosso. Im Jahr 1739 komponiert Georg Friedrich Händel zwölf Concerti grossi – reichlich spät für ein Genre, mit dem Arcangelo Corelli bereits Jahrzehnte zuvor Epoche machte. In England herrscht im 18. Jahrhundert ein ungebrochener Italienkult mit Corelli als unangefochtener Galionsfigur. Händel ist durch seinen mehrjährigen Italienaufenthalt am Vorbild Corellis geschult und platziert noch 1739 Concerti Grossi in italienischer Manier im Londoner Musikleben mit großem Erfolg. Ein Programm mit Open-Air-Charakter und Hinwendung zum gemeinsam erlebten Outdoor-Event – mit Wasser als tragendem Element und Musik als Ausdruck von Sinnlichkeit und Repräsentation.
BaroqueLAB Frankfurt (Ensemble)
Das Ensemble BaroqueLAB Frankfurt bündelt die kreativen Potentiale junger Musikerinnen und Musiker, die die Leidenschaft für historisch informierte Aufführungspraxis teilen. Sie alle verorten ihre musikalischen Wurzeln in Frankfurt am Main.
Baroque verweist auf den historisch informierten Interpretationsansatz. Das neuzeitliche Siegel LAB symbolisiert Experimentierfreude, Neugier, Interesse an gemeinsamer Forschung und die Vorstellung von Musikmachen als ewigem Lernprozess. Das Ensemble versteht sich als ein demokratisch organisiertes Kollektiv mit wechselnden Führungsrollen und künstlerischem Austausch auf Augenhöhe. Mit Fokus auf innovative Konzertformate will BaroqueLAB Frankfurt Musik der Vergangenheit sowohl im Kontext ihrer Entstehungszeit begreifen als auch in den Kontext der Gegenwart transformieren und so die Aktualität und emotionale Kraft Alter Musik einem breitgefächerten Publikum zugänglich machen.
Vergangene Produktionen widmeten sich als immersive Gesamtkunstwerke höchst erfolgreich historischen Herrscherpersönlichkeiten, so mit Musik und Text der außergewöhnlichen Figur der schwedischen Königin Kristina in “Conversazioni della Regina”, in der Produktion “La Nuit” dem französischen Barock am Hofe Louis XIV. mit zeitgenössischem Tanz und poetischer Lichtkunst. Einladungen führten das BaroqueLLAB in die Naxos Hallenkonzerte, zu den Höri Musiktagen und weiteren Festivals wie RheinVokal und Weilburger Schlosskonzerte.
Die Geigerin Petra Müllejans ist eine vielseitige Musikerin, die nahezu jede Art von Musik liebt und mit Leidenschaft spielt. Beinahe 40 Jahre war sie Mitglied und Gesellschafterin im Freiburger Barockorchester, das sie 30 Jahre als Konzertmeisterin geleitet hat und mit dem sie unendlich viele Konzerte gespielt hat. Seit dem Ende ihrer Zeit im Freiburger Barockorchester ist sie glücklich, jetzt ihren verschiedenen kammermusikalischen Projekten nachgehen zu können. Dazu gehören Programme mit frühbarocker bis zu klassischer und romantischer Musik in den unterschiedlichsten Formationen vom Sonatenabend bis zum Quintett. Ihr Zugang zur Musik des Barock und der Klassik sowie auch der Romantik ist geprägt von der immer neuen Suche nach der Rhetorik in der Musik, nach einer sich am historischen Vorbild orientierenden aber dann am Ende doch zutiefst persönlichen und subjektiven Aussage. Diese Sichtweise vermittelt sie seit 25 Jahren mit großer Hingabe ihren Studierenden an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main im Rahmen ihrer Professur für Barockvioline.
Hinweis: Bedauerlicher Weise musste Enrico Onofri, der zunächst für die Künstlerische Leitung des Abends angekündigt war, für dieses Jahr absagen. Wir freuen uns sehr und danken herzlich, dass Petra Müllejans spontan die Künstlerische Begleitung übernommen hat.
Markus Brenner
»Markus Brenner ist als Videokünstler ein leidenschaftlicher Liebhaber alles Fließenden. Nicht nur als Schwimmer und Windsurfer, sondern vor allem mit seinen Kunstprojekten setzt er sich dem Element Wasser aus ... ein Videopoet des Wassers.« (Paolo Bianchi, Kunstforum International Zürich)
Markus Brenner, Jahrgang 1963, wurde in Friedrichshafen geboren und studierte Geschichte, Literatur sowie Kunst- und Medienwissenschaft. Seit 1989 ist er künstlerisch tätig. Er untermalt das festliche Eröffnungskonzert Echoes of Water mit Licht und Videokunst.
Mit seinen Installationen, Videoprojektionen und Fotografien hat er sich national und international einen Namen gemacht. Besonders bekannt wurden seine Fotografien von Fischen in maßgeschneiderten Badeanzügen. Diese Bildserie entwickelte sich zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen – vergleichbar mit den Gartenzwergen von Hörl oder den Marilyn-Motiven von Warhol. Heute lebt und arbeitet Brenner in Konstanz und Berlin. Seine Arbeiten – von der Rauminstallation »Aqua Morgana« bis zur Gründung einer eigenen »Fischpartei« – wurden in zahlreichen Medien besprochen, darunter die »Neue Zürcher Zeitung«, die »Financial Times Deutschland«, »Kunstforum International«, »art«-online, »Artmapp« und »Spiegel Online«. Seine Fotografien und Videos befinden sich in verschiedenen renommierten Sammlungen, darunter die UBS Art Collection in Zürich sowie die Sammlung NOMOS des gleichnamigen Uhrenherstellers in Berlin und Glashütte.