Orchesterkonzert

Mendelssohn, Schumann, Janacek, Schubert

Samstag

14

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08

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2021

20 Uhr

Leider Ausverkauft!

Kirchhof Stiftskirche Öhningen

DE

Das Festivalorchester spielt große Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert Schumann, Leoš Janáček und Franz Schubert in einer Bearbeitung für Kammerorchester. Pandemie-bedingt kann das Festivalorchester auch 2021 noch nicht wieder in großer Besetzung auftreten.
Dirigent ist Harutyun Muradyan.

Johann Caspar Wedell, Violoncello
Kammerorchester der Höri Musiktage
Leitung: Harutyun Muradyan

Programm:

F. Mendelssohn: Konzert-Ouvertüre “Die Hebriden) op.26 (in Bearbeitung von P.Stangel)

“Ein Blick auf die Hebriden und Morgen”, Federzeichnung von Mendelssohn, 7. August 1829

R.Schumann: Konzert für Violoncello und Orchester a-moll op. 129 (in Bearbeitung von P.Stangel)

I. Nicht zu schnell
II. Langsam
III. Sehr lebhaft

Johann Caspar Wedell, Violoncello

**** Pause ****

L. Janáček: Auf verwachsenem Pfade (in Bearbeitung von P.Stangel)

I.  “Naše večery” (Unsere Abende)
II. “Lístek odvanutý” (Ein verwehtes Blatt)
III. “Pojdte s námi” (Kommt mit uns!)
V. “Štěbetaly jak lastovičky” (Sie schwatzen wie die Schwalben)

F.Schubert: Symphonie N.5 in B-Dur D485

I. Allegro
II. Andante con moto
III. Allegro molto
IV. Allegro vivace

Erläuterungen:

Während der ersten seiner zehn Reisen nach Großbritannien war Felix Mendelssohn-Bartholdy stark beeindruckt von der Natur des Archipels der Hebriden vor der Westküste Schottlands. Eines der Naturwunder, die den Komponisten besonders beeindruckten, war Fingal's Cave auf der Insel Staffa, eine riesige Meereshöhle, wo die romantische Phantasie den Wohnort von König Fingal aus dem angeblichen altgälischen Epos Gesänge des Ossian verortete; dort soll der altgälische Held mit seinen Getreuen außerhalb der Gesellschaft und nach eigenen Gesetzen ein freies Leben geführt haben, wie die Romantiker es sich erträumten.

Diese Naturerfahrung, die der auch zeichnerisch begabte Mendelssohn in einer Bleistiftzeichnung festhielt, inspirierte ihn zu seiner Hebriden-Ouvertüre, in der der Komponist sich als musikalischer Landschaftsmaler hervortat. Zwischen 1829 und 1833 entstanden drei Fassungen des Werks, das

Mendelssohn in bewusster Abgrenzung von der Ouvertüre als Vorspiel zu dramatischen Werken als Konzert-Ouverture bezeichnete, also eine für den Konzertsaal geschaffene Musik über ein poetisches Sujet und damit einen Vorläufer der sinfonischen Dichtung.

Das Hauptthema, in dem wir den Wellengang des Atlantik zu hören vermeinen, wird von Bratsche, Cello und Fagott vorgetragen, hinzu tritt das ferne Donnergrollen der Pauke. Aus dem Kernmotiv entwickeln sich zwei weitere Themen, die in interessanter Harmonik und vielfältigen Klangvariationen verarbeitet werden. So entstehen aus unterschiedlichen Farben, Rhythmen und Melodien atmosphärisch dichte Stimmungen zwischen aufwühlender Bewegung, glanzvollen Passagen und idyllischen Momenten. Kein Geringerer als Johannes Brahms gehörte zu den Bewunderern: „Alle meine Werke gäbe ich darum, wenn ich eine Ouverture wie die Hebriden von Mendelssohn hätte schreiben können.“

Robert Schumann, Grenzgänger zwischen Gesundheit und Depression, schrieb sein Cellokonzert in nur einer Woche im Oktober 1850 in der Euphorie des beruflichen Neubeginns als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf. In Abgrenzung von den gängigen Konventionen des Genres nannte er das nahtlos durchkomponierte Werk „Konzertstück“. Das Cello ist das ideale Instrument für den überwiegend elegischen Ton des Konzerts, dessen Stimmung zwischen sehnsuchtsvoller Lyrik und feurigem Schwung wechselt. Als „fröhlich, eruptiv und eben auch sehr melancholisch“ beschreibt der Cellist Daniel Müller Schott die Stimmungen in Schumanns berühmten Cellokonzert.

Es fand sich zunächst kein Cellist, der das Konzert spielen wollte, erst vier Jahre nach dem Tod des Komponisten kam es zur Uraufführung, auch danach blieb es weithin unbeachtet, bis Pablo Casals ihm in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zur bis heute anhaltenden Popularität verhalf.

Nach einer kurzen Orchestereinleitung stellt das Solocello das lyrische Hauptthema leise und ausdrucksvoll vor. Das weitere melodische Material ist teils neu, teils greift es auf Vorhergegangenes zurück, so dass ein Eindruck von Fantasie und Improvisation entsteht.

Das auffälligste Motiv des kurzen langsamen Satzes ist eine absteigende Quinte, vielleicht eine Liebeserklärung an seine Frau Clara, die ihm als 13-jährige dieses Thema mit Variationen geschickt hatte. Auch das ungewöhnliche Duett von Solocello und erstem Orchester-Cello wurde als Zwiegespräch mit Clara gedeutet.
Der Finalsatz ist ein schwungvolles Rondo. Ein fast obsessiv wiederkehrendes Sechzehntel Motiv wird in immer wieder geänderten Phrasen unterschiedlicher Länge wiederholt. Die vom Orchester begleitete Kadenz – etwas bislang Unbekanntes in Instrumentalkonzerten – leitet zur abschließenden Coda in Dur über.  „Ich sträube mich immer dagegen, Schumann auf seinen Wahnsinn zu reduzieren, aber dieser letzte Satz ist schon leicht skurril. Er versucht so spielerisch zu sein, aber es gelingt ihm gar nicht. Es ist eher ein Kampf mit Materie, mit Geist, mit Gefühlen." – so der Cellist Alban Gerhardt. In diesem Werk sieht er Schumanns „Sturm-und Drang-Seele, die einen letzten Höhenflug erlebt.“

Das Maß der Leiden ist größer, als es Worte zu sagen vermögen.“ Der Tod seiner Tochter Olga im Jahr 1903 stürzte den tschechischen Komponisten Leoš Janáček in tiefe Depression. Seine 1911 veröffentlichten melancholischen Klavierstücke „Auf verwachsenem Pfade“ waren der Versuch, den schlimmen Verlust zu verarbeiten. Titel wie Unsere Abende oder Ein verwehtes Blatt zeigen, dass Erinnerungen an das verstorbene Kind, an gemeinsam beschrittene Wege musikalisch gestaltet werden. Die zunächst für den dunklen Klang des Harmoniums gedachten Stücke bearbeitete der Komponist später für Klavier, die heute zu hörende Orchesterfassung stammt aus neuerer Zeit. Allen Stücken gemeinsam ist neben Anklängen an Schubert und Schumann die Einbeziehung von Elementen der mährischen Folklore. Es gibt kaum thematische Entwicklungen, eher Stimmungsbilder, Kontraste zwischen nostalgischem Grundton und emotionalen Ausbrüchen, berührende harmonische Wendungen. Es sind Seiten eines intimen musikalischen Tagebuchs voller schmerzhafter Erinnerungen  

Die 5. Symphonie des 19-jährigen Franz Schubert gilt als letzte seiner „Jugendsinfonien“. Sein Wirkungskreis war 1816 noch weitgehend auf private Zirkel beschränkt; doch er hoffte, die ungeliebte Tätigkeit als Lehrer an der Schule seines Vaters zugunsten eines freien Lebens als Komponist hinter sich zu lassen. Nach der Komposition von vielen Liedern und Kammermusikwerken konnte die Gattung Sinfonie ein Weg zu einer größeren Öffentlichkeit sein. Doch die Uraufführung durch ein Laienorchester, in dem Schubert selbst Bratsche spielte, blieb die einzige Aufführung des Werks zu seinen Lebzeiten.

Die Sinfonie ist kammermusikalisch - ohne Klarinetten, Trompeten oder Pauken - besetzt, ihre Leichtigkeit und Eleganz zeigt die Orientierung an Mozart, auch wenn Schuberts eigene Sprache bereits durchaus deutlich ist: in der Harmonik unvermittelte Wechsel von Dur und Moll, Ausflüge in entfernte Tonarten und Modulation in terzverwandte Dreiklänge, im Aufbau fließender Übergang der Motive und melodisches Schwelgen statt kontrastivem Gegeneinander.

Der heitere erste Satz beginnt nach kurzer Bläserkadenz mit dem liedhaften Hauptthema, einem aufsteigenden Dreiklang im punktierten Rhythmus. Das Seitenthema besteht aus einer periodisch aufgebauten Motivkette. Das Andante ist eine Art Lied ohne Worte, das graziöse Thema wird durch unerwartete harmonische Gefilde geführt, tragische Wendungen erzeugen ein ständiges Spiel von Licht und Schatten. Das Menuett steht im eher düsteren g-Moll und erinnert an Mozarts Sinfonie in gleicher Tonart. Hingegen beschwört das heitere Dur-Trio einen Wiener Ländler herauf.
Das Finale beginnt mit einem verspielt-tänzerischen Thema, wendet sich aber später unvermittelt in eine dramatische Moll-Passage. Der Satz endet etwas unvermittelt, als ob – so der Dirigent Nikolaus Harnoncourt – „Schubert seine musikalische Geschichte nochmals von Neuem erzählen müsste".