Orchesterkonzert

Bartók, Strawinski, Brahms

Samstag

13

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08

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2022

20 Uhr

30 €

Stiftskirche Öhningen

DE

Béla Bartók (1881 – 1945): Divertimento für Streicherorchester (1939)
Igor Strawinski (1882 – 1971: Danses concertantes (1942)
Johannes Brahms (1833 – 1897): Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15

Rémi Geniet, Klavier
Festivalorchester der Höri Musiktage
Dirigent Harutyun Muradyan


Belá Bartók: Divertimento für Streichorchester BB 118 Sz. 113 (1939)

  1. Allegro non troppo
  2. Molto adagio
  3. Allegro assai

Belá Bartók wurde 1881 in Groß-St.Nikolaus (Österreich-Ungarn) geboren, musikalisch früh gefördert, vor allem von seiner Mutter, und verstarb 1945 im Exil in New York.

Auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus und dem beginnenden Zweiten Weltkrieg verbrachte Belá Bartók im Sommer 1939 einige Zeit in den Schweizer Bergen, wo er als Gast des Kunstmäzen und Dirigenten Paul Sacher eingeladen war. Dieser beauftragte ihn, eine Komposition, nämlich das Divertimento für das Baseler Kammerorchester zu schreiben. Er schrieb dieses Werk in kürzester Zeit und beendete es zwei Wochen vor Ausbruch des Krieges.
Die Aufgabe bestand darin, eine Verbindung zum barocken Concerto Grosso in der ihm eigenen Tonsprache zu finden. Der Wechsel zwischen Soloinstrumenten und dem vollen Orchester, das volkstümliche Kororit, die motorische Rhytmik, all dies zeichnet seine Musik aus.
Bartók, zunächst geprägt von den Klängen von Richard Strauss und Franz Liszt hat sich im Zuge seiner musikalischen Entwicklung frei gemacht von der Dur-Moll Dualität und harmonisch neue Wege beschritten, in dem er Einflüsse des Impressionismus aufnahm, alle 12 Töne der Tonleiter benutzte, aber dennoch im modalen Charakter blieb.
In jüngeren Jahren befasste sich Bartók ausführlich und systematisch mit dem Sammeln von Volkslieder, wozu er bis in den vorderen Orient reiste und tausende Lieder und Rhythmen phonographierte. Hier aus entspringen auch seine oft ungeraden Rhythmen und die perkussive Art seiner Klaviermusik. Bewusst entfernte er sich von der romantischen Klang- und Ausdruckswelt.
Ermutigt dazu wurde er von seinem Freund, dem Komponisten Zoltán Kodály, den er an der königlichen Musikakademie in Budapest während seines Studium kennen lernte.


Igor Stravinsky: Danses concertantes für Kammerorchester

1. Marche. Introduction
2. Pas d'action
3. Thème varié
4. Pas de deux
5. Marche. Conclusion

Im Jahr 1941 wurde Igor Stravinsky gebeten für ein Unterhaltungsorchester in Los Angeles ein Stück zu schreiben. Es handelte sich um fünf konzertante Tänze, welche am 8. Februar 1942 uraufgeführt wurden. Der Komponist hatte allerdings schon die Form eines abstrakten Balletts im Sinn und tatsächlich schuf George Balanchine zwei Jahre nach der Uraufführung in New York eine legendäre Choreographie dazu.

Zu Beginn und am Ende des Stückes stehen 2 Märsche, die Zwischensätze weisen bereits mit ihren Titeln auf das Ballett hin.

Bei der Erstaufführung in Frankreich gab es allerdings lautstarke Proteste aus einer Gruppe von Schülern des Komponisten Oliver Messiaen. Sie kritisierten Stravinskys Hinwendung zum Neoklassizissmus. Als Schüler von Rimsky-Korsakow schrieb er zunächst  spätromantisch-impressionistischem geprägt  (Feuervogel), um sich danach einem völlig neuen Stil zu widmen, den er bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges beibehielt. Ausgeprägte Rhythmik, Polytonalität, wenig melodische Phrasen sind dessen Merkmale, wie wir sie in "Le sacre du printemps" finden, dessen Uraufführung in Paris bekanntlich in einem Skandal endete.
Nach der Periode des Neoklassizismus wandte sich Stravinsky in den 50er Jahren in Amerika dann der Zwöltonmusik und seriellen Techniken zu.

Am 5. Juni 1882 wurde Igor Stravinksy in der Nähe von St. Petersburg geboren. Auf Wunsch des Vaters studierte er zunächst Jura, dann allerdings bei Rimski-Korsakow Komposition. Ab 1910 wurden seine Ballette in Paris aufgeführt und in den Wirren der russischen Revolution beschloss er in Frankreich zu bleiben, um dann 1940 nach Amerika auszuwandern, wo er 1971 verstarb.

Als russischer Komponist und Dirigent mit französischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft war er einer der annerkanntesten Vertreter der Neuen Musik im  20. Jahrhundert.


Johannes Brahms 1. Klavierkonzert d-moll op. 15

1. Maestoso
2. Adagio
3. Rondo: allegro non troppo

"Und er ist gekommen, ein junges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten. Er heisst Johannes Brahms, kam von Hamburg..." mit diesen Worten beschrieb Robert Schumann in der Neuen Zeitschrift für Musik den jungen Mann, der in Düsseldorf an seine Türe klopfte. Kurz nach Robert Schumanns Suizid im Jahre 1854 versuchte sich Brahms an der Konzeption einer Sonate für zwei Klaviere, was er aber unbefriedigt abbrach. Er versuchte daraufhin den Entwurf in einer Sinfonie zu verarbeiten, aber auch hier blieb er in den Anfängen stecken, da er sich mit dem Instrumentieren zu unsicher fühlte. Es sollte noch fast 20 Jahre dauern, bis er seine erste Sinfonie schrieb. Zu groß waren zunächst die Schatten, die das Genie Beethoven in diesem Genre warf.

Im Februar 1855 schrieb er an Clara Schumann, mit der ihn eine lebenslange Freundschaft verband, dass er nun die Idee habe, den Kopfsatz der Sonate in ein Klavierkonzert umzuarbeiten.  In den nächsten Jahren komponierte Brahms die einzelnen Sätze und ließ sich von seinem Freund Joseph Joachim die Instrumentierung betreffend beraten.
Dieser führte das Werk dann am 22. Januar 1859 mit Brahms am Klavier im Hoftheater Hannover auf. Die zweite Aufführung eine Woche später in Leipzig wurde jedoch von der Presse mit einem Verriss quittiert.

Das Werk selbst ist dreisätzig und von seiner Form her der Wiener Klassik verbunden. Der Kopfsatz ist ein Maestoso im 6/4 Takt, als Sonatenhauptatz klar strukturiert, dennoch voller überraschender Wendungen und Einfälle.

Im zweiten Satz (an Clara Schumann: "...Auch male ich an einem sanften Portrait von Dir, das dann Adagio werden soll.") zeichnet Brahms einen sich weiterspinnenden Dialog zwischen Klavier und Orchester.

Der dritte Satz ist ein Rondo im 2/4 Takt. Fast ungarisch angehauchten Synkopen zu Beginn, welche vom Orchester wiederholt werden, dann ein Fugato, welches vom Klavier mit einem lyrischen Zwischenspiel beantwortet wird, um nach der Kadenz in den Schlussteil zu münden,

Insgesamt ist es ein Werk von gewaltiger Dimension. Es dauert ca. 50 Minuten, stellt große Anforderungen an den Pianisten, ohne dass dieser sich aber allzusehr virtuos in Szene setzen kann.

Johannes Brahms, am 7. Mai 1833in Hamburg geboren, wurde zu seiner Zeit einer der annerkanntesten Komponisten und mit zahlreichen  Auszeichnungen und Ehrungen bedacht. Sein beachtliches Oevre umfasst Solokonzerte, vier Sinfonien, Lieder, Chorwerke und Kammermusik in unterschiedlichen Besetzungen.

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