Friedrich Gulda

Konzert für Cello und Blasorchester

Samstag

14

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08

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2021

17:30 Uhr

Ein Konzert der Cartes blanches

Kirchhof Stiftskirche Öhningen

DE

Friedrich Gulda: Konzert für Violoncello und Blasorchester

Friedrich Gulda, den viele nur als Pianisten und Enfant terrible im Wien der Nachkriegszeit kennen, hat dieses Konzert 1980 für den Cellisten Heinrich Schiff komponiert, angeblich, weil Schiff sich bei ihm über das zu klassische Repertoire beschwert hatte, und da war er bei Gulda gerade richtig. Es heißt zwar „Konzert für Cello und Blasorchester“, könnte aber genauso gut für Big Band geschrieben sein. Das Cello spielt Melodien von zart bis wild romantisch, von fetzig rockig bis zu rasend schnellen Läufen, die wie improvisiert klingen, über groovenden Rhythmen von Schlagzeug, Kontrabass und Bigband-Sound. Gulda war sein Leben lang bemüht, E- und U-Musik miteinander zu vereinen und spielte als einer der wenigen klassischen Pianisten auch mit Jazzgrößen wie Chick Corea und Herbie Hancock zusammen.

Was in der Ouverture als Rock beginnt, endet in einer alpenländischen Melodie. Friedrich Gulda mixt die verschiedenen Genres wild durcheinander. Hier ein bisschen Funk, dort eine Prise Jazz oder auch eine große romantische Geste, die an Franz Schubert erinnert. Cello und Bigband treten in spannende Dialoge ein, imitieren sich, sind miteinander verschlungen.

Der zweite Satz trägt den Titel Idylle und klingt auch wie ein idyllischer Ländler. Oboe und Klarinette spielen eine fröhliche Melodie über dem gezupften Dreiertakt der Gitarre. Romantische Träumereien wechseln sich ab mit fröhlichen, an Dorffeste erinnernden Walzerklängen.
Eine virtuoser dritter Satz Cadenza erinnert an die Musik von Dmitri Schostakowitsch und bildet das Herzstück des Cellokonzerts. Er beginnt zwar voll Ruhe und Innigkeit, aber es dauert nicht lange, dann beginn für das Cello ein entfesseltes Auf- und Abrasen. Nachdenkliche Phasen wechseln sich ab mit rauen, fast an Piazzolla erinnernden Tangoklängen. Am Ende verklingt dieser Satz leise ausgehaucht. Ganz anders klingt dagegen der vierte Satz, Menuett betitelt. Er erinnert an höfische Tänze. Die punktierte Melodie des Cellos wird von Gitarre und Kontrabass begleitet und von Bläsern und Tamburin als Antwort imitiert.
Im letzten Satz Alla Marcia führt Gulda die Zuhörer geradewegs in den Zirkus oder auf den Tanzboden in einem Bierzelt. Die schnellen Tempi der Blaskappelle treten fast in einen Wettstreit mit virtuosen, immer schneller rasenden Läufen des Cellos und alles endet in einem gewaltigen Tusch.