Festgottesdienst

Mozart Missa brevis KV 275

Sonntag

07

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08

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2022

09:30 Uhr

Eintritt frei

Stiftskirche Öhningen

DE

Wolfgang Amadeus Mozart, Missa brevis in B KV 275

Unter dem Leitgedanken Sharing Heritage würdigen die Höri Musiktage gemeinsam mit der Kath. Kirchengemeinde Höri und der Gemeinde Öhningen den historischen Auftrag des Augustiner Chorherrenstiftes Öhningen. Projektchor und Projektorchester werden alljährlich eigens für diesen traditionsreichen Festgottesdienst zusammengestellt. Im Rahmen der feierlichen Messe wird in diesem Jahr die Missa brevis in B, KV 275 von Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt. Die Leitung hat Elisabeth Vöhringer.

Das genaue Entstehungsdatum dieser heiter beschwingten Missa brevis ist nicht bekannt, die autographe Partitur gilt seit dem 19. Jahrhundert als verschollen. Aus dem Briefwechsel zwischen Leopold Mozart und seinem Sohn geht hervor, dass die Messe am 21. Dezember 1777 in der Kirche der Benediktinerabtei St. Peter zu Salzburg unter Mitwirkung des Kastraten der Hofkapelle, Francesco Ceccarelli, aufgeführt wurde, der laut Mozart „unvergleichlich gesungen habe“. Obwohl das Werk in handschriftlicher Form zunächst eine erstaunlich weite Verbreitung fand, geriet die Messe aufgrund der fröhlichen Grundstimmung ab Mitte des 19. Jahrhunderts ins kritische Visier der kirchenmusikalischen Reformbewegung und wurde als nicht mehr vereinbar mit dem Ernst des Gottesdienstes empfunden. Diese Sichtweise änderte sich glücklicherweise wieder, so fasst es der Musikwissenschaftler Bernhard Janz im Vorwort der aktuellen Urtext Ausgabe dieser Messe im Jahr 2000 zusammen: „Ohne tieferes Verständnis für die mitunter geradezu fröhliche Abgeklärtheit, in der sich das Gotteslob in diesem Werk äußert, blieben uns wichtige Aspekte des Wesens Mozarts, der Anschauungen seiner Zeit und nicht zuletzt auch ein gutes Stück christlicher Glaubensfreude verschlossen.“ Kompositorisch ist diese Messe von hohem Niveau und enthält vollkommen neue, expressive Ausdrucksformen.

Das Kyrie ist leicht beschwingt und kurz, ein fröhlicher Dialog zwischen den vier Solisten und dem Chor. Das Gloria ist - wie üblich – ein rascher Satz, die Domine-Anrufungen sind den Solisten vorbehalten. Der Chor eröffnet das Gloria mit einem feierlichen tragenden „Et in terra pax“, die Solisten übernehmen die Anrufungen „Deus“, „Agnus Dei“ und „Jesu Christe“ in fugenähnlicher aufsteigender Abfolge vom Bass bis zum Sopran. Angesichts der Vorgaben des Fürst-Erzbischofs Colloredo gilt es, beim Credo große Textmengen in kurzer Zeit musikalisch zu bewältigen. So herrscht auch hier ein schnelles Grundtempo vor. Nur „Et incarnatus est“ wird deutlich verlangsamt von den Solisten gesungen. Der Chor nimmt das langsame Tempo dann im „Crucifixus“ auf, bevor er im „Et resurrexit“ zum heiter beschwingten Allegro zurückkehrt. Das „Sanctus“ beginn mit einem wundervoll tragenden Fugato für den Chor, ausgehend von den Bassstimmen und aufsteigend zu einem strahlenden Sopran. Den Abschluss bildet ein wieder deutlich beschleunigtes “Hosanna“. Das „Benedictus“ ist ein anrührend schönes Sopransolo, das noch einmal mit einem fröhlichen „Hosanna“ des Chors abgeschlossen wird, fast als tanzten die Stimmen miteinander. Das „Agnus Dei“ ist nicht nur mit Abstand der längste Satz der Messe, sondern beginnt mit einer hochexpressiven, dramatischen Geste, die dann noch mehrmals wiederkehrt. Nach ruhigen tiefen Tönen der Streicher platzt der Chor fast unerwartet mitten im Takt mit einem Aufschrei sein „Agnus Dei“ herein, was sich noch mehrmals wiederholt. Eine hochemotionale Vertonung kennzeichnet diesen Schlussteil, das umfangreiche „Dona nobis pacem“ überschreitet den Rahmen einer Missa brevis. Die Sopranistin beginnt mit einem fröhlichen, herrlich beschwingten Thema und überstrahlt im gesamten weiteren Verlauf alle anderen Stimmen. Der Chor nimmt ihr Thema mehrfach wieder auf, bleibt aber in der Rolle des musikalischen Begleiters dieser überaus heiteren Schlusssequenz.

So wollen wir gerade in diesem Jahr hoffen, dass die eindringliche, Jahrhunderte alte Friedensbitte „Dona nobis pacem“ Gehör finden wird.

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