Festakt Teil II.

Wolf Gang Cellists & Duo Pyr

Donnerstag

05

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08

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2021

20 Uhr

20 € (Festaktpaket 30 €)

Öhningen Stiftskirche Kirchhof

DE

Gleich zwei Preisträger-Ensembles aus der Bundesauswahl Konzerte junger Künstler (BAKJK) des Deutschen Musikrats konnten wir für den zweiten Teil des Festaktes zum 5-jährigen Jubiläum der Höri Musiktage gewinnen.

Das Duo Pyr (DP) in der ungewöhnlichen Besetzung Klarinette und Harfe (Julia Puls - Klarinette, Lea Maria Löffler - Harfe) und The Wolf Gang Cellists (WG), vier Cellisten der Extraklasse (Joel Blido, Konstantin Bruns, Sebastian Fritsch, Friedrich Thiele) haben hierfür ein mitreißendes Festprogramm ausgearbeitet.

Duo Pyr
Julia Puls - Klarinette
Lea Maria Löffler - Harfe

The Wolf Gang Cellists
Joel Blido - Violoncello
Konstantin Bruns - Violoncello
Sebastian Fritsch - Violoncello
Friedrich Thiele - Violoncello

Programm

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Ouvertüre zur Oper Le nozze di Figaro
Bearbeitung von Douglas B. Moore
The Wolf Gang Cellists

Jean-Xavier Lefèvre (1763-1829): Sonate g-Moll für Klarinette und Harfe
Allegro ma non troppo – Adagio - Rondeau
Duo Pyr

Samuel Barber (1910-1981): Adagio for Strings
Bearbeitung von M. de Oliveira Pinto
The Wolf Gang Cellists

Robert Schumann (1810 – 1856):  Drei Romanzen op.94
Nicht schnell - Einfach, innig - Nicht schnell
Duo Pyr

David Popper (1843-1913): Polonaise de Concert op. 14
Bearbeitung von Sebastiaan van Eck
The Wolf Gang Cellists
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Donato Lovreglio (1841-1907): Fantasia da concerto su motivi da „La Traviata“ di Giuseppe Verdi Bearbeitung für Klarinette und Harfe von Duo Pyr
Duo Pyr

Carlos Gardel (1890 – 1935): Por una Cabeza
The Wolf Gang Cellists

Gabriel Fauré (1845-1924) : Après un rêve
Bearbeitung für Klarinette und Harfe von Duo Pyr
Duo Pyr

Astor Piazzolla (1921-1992): Oblivion
Bearbeitung von The Wolf Gang Cellists
The Wolf Gang Cellists

Astor Piazzolla: Adiós nonino
The Wolf Gang Cellists

Astor Piazzolla: Libertango
Bearbeitung von Thorsten Schäffer  
The Wolf Gang Cellists und Duo Pyr

Das Konzert mit Werken für ungewöhnliche und reizvolle Besetzungen – Cello Ensemble und Duo von Klarinette und Harfe – beginnt mit einer Bearbeitung von Mozarts Ouvertüre zur 1786 vollendeten komischen Oper (opera buffa) Figaros Hochzeit, einem Verwirrspiel mit Kleidertausch, Verstecken, Intrigen, Täuschungen,  Eifersuchtsszenen und vielen Aufregern. Die quirlige Ouvertüre in sprudelndem Presto-Tempo ist wegen des brillanten Themas und ihres mitreißenden Schwungs auch ein gern gespieltes Schmankerl für den Konzertsaal.

Der in Lausanne geborene Jean-Xavier Lefèvre war Komponist, Klarinettist im Orchester der Pariser Oper und der erste Klarinettenlehrer des Pariser Konservatoriums; außerdem engagierte er sich in der technischen Entwicklung der Klarinette durch Weiterentwicklung des Klappenmechanismus. Die Sonate G-Moll gefällt durch Melodienreichtum und an Mozart erinnernde einfache Direktheit. Der Moll-Charakter evoziert hier keine traurige Stimmung, sondern eher eine pastorale Heiterkeit.

Samuel Barbers Adagio, sein populärstes Stück, war ursprünglich der langsame Satz seines Streichquartetts aus dem Jahre 1936. Wegen seiner emotionalen Intensität wurde das Adagio bei den Begräbnissen von Roosevelt, Kennedy und Albert Einstein gespielt. Als Filmmusik diente es unter anderem in Die fabelhafte Welt der Amélie, Sophie Scholl – Die letzten Tage und Der Soldat James Ryan.

Als „schwärmerisches Liebeserlebnis, erzählendes Gedicht, liedartiges Musikstück“ definiert das Wörterbuch die Romanze. Schumanns Drei Romanzen op.94 waren ursprünglich für Oboe und  Klavier komponiert, werden aber auch häufig mit Klarinette, Violine, Fagott oder Cello gespielt. Schumann schenkte sie seiner Frau Clara zum Weihnachtsfest 1849. Das erste Stück hat den erzählenden Charakter einer Ballade, das zweite ist ein von einem vorwärts drängendem Mittelteil unterbrochenes Lied ohne Worte. Am lebhaftesten ist die an Brahms erinnernde dritte Romanze mit ihren vielen Stimmungswechseln.

David Popper, der Paganini des Cellos, stammte aus einer jüdischen Prager Familie. Er begann seine Karriere an der Wiener Hofoper, tourte dann als Virtuose durch Europa, Russland und Amerika, von Franz Liszt wurde er schließlich an das Budapester Konservatorium berufen. Dort gründete er auch ein Streichquartett, das u. a. regelmäßig mit Brahms als Pianisten konzertierte. Popper schrieb zahlreiche Werke für sein Instrument, die temperamentvolle Polonaise de concert gibt den Celli Gelegenheit zu virtuoser Bravour, zeigt aber auch die kompositorischen Ambitionen Poppers. George Bernard Shaw charakterisierte seine Musik treffend als „elegant und fantasievoll in ihren leichteren Abschnitten, elegisch auf der gefühlvollen Seite.“

Da der Hunger nach Opernmusik im 19. Jahrhundert nicht im Entferntesten durch Live-Aufführungen befriedigt werden konnte - Radio oder Grammophon gab es noch nicht - mussten Opernliebhaber auf instrumentale Versionen zurückgreifen. Das führte zu einem Boom von Transkriptionen und Variationen beliebter Arien. Diese Nachfrage bediente auch der italienische Flötist und Komponist Lovreglio. In seiner Fantasia da concerto erklingen populäre Arien aus Verdis Oper La Traviata (1853) mit äußerst virtuosen Umspielungen und Variationen der Klarinette.

Der 1935 bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien umgekommene Sänger Carlos Gardel, Argentinier französischer Herkunft, war mit Sicherheit der berühmteste Tango-Interpret aller Zeiten, schrieb aber auch selbst einige klassische Tangos, wie z. B. Por una Cabeza. Darin geht es um ein Pferd, das den Sieg um Kopflänge (por una cabeza) verpasst. Die Faszination für Pferderennen und riskante Wetten ist wie die Schwäche für eine schöne Frau …

1878 vertonte Fauré mit Après un rêve eine anonyme italienische Madrigaldichtung, die das Erwachen eines Verliebten aus tiefem Schlaf schildert, der sich nach der Rückkehr zu seinen ekstatischen Liebesträumen sehnt, deren Irrealität er aber nun erkennen muss: „In einem Traum, der dein Bild verzauberte, träumte ich vom Glück … ich rufe dich, o Nacht, gib mir meine Trugbilder wieder; kehr zurück, strahlende, oh geheimnisvolle Nacht!“ In der Fassung für Cello und Harfe ist aus dem populären Lied eine wundervolle Elegie in melancholischer Mollfärbung geworden.

Zum Abschluss des Konzerts hören wir drei berühmte Tangos des argentinischen Bandoneón-Virtuosen und Komponisten Astor Piazzolla. Er revolutionierte den Tango durch die Einbeziehung von Elementen aus Jazz und klassischer Musik zum sogenannten Nuevo tango. Die neue Freiheit symbolisiert der Titel  Libertango aus dem Jahr 1974  durch die Verschmelzung der Wörter libertad und tango. Bei aller Erneuerung bleiben auch im Tango Nuevo die traditionellen Elemente erkennbar: synkopierte Rhythmen, typische Harmonien, der corte - das Innehalten der Tänzer zwischen den Schrittfolgen - und die melancholische Stimmung der Musik.
Im 1982 für den italienischen Film Heinrich IV. aufgenommenen Oblivion geht es um das Vergessen einer Liebe.
Adiós nonino schrieb Piazzolla 1959 zum Gedächtnis an seinen kurz zuvor verstorbenen Vater Vicente, dessen Spitzname Nonino war – abgeleitet vom italienschen nonnino (Großväterchen): „Auf Wiedersehen, Nonino, wie lange wird der Weg ohne dich sein … Mein Lebewohl gilt deiner Liebe, deinem Tabak, deinem Wein.