BTHVN 2020 – Festakt!

Orchesterkonzert

Donnerstag

13

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08

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2020

18:00 Uhr

Eintritt frei – Spenden willkommen

Stiftskirche Öhningen

DE

BTHVN 2020 – Festakt & Orchesterkonzert

Herzlich willkommen!

Der Festakt der Höri Musiktage ist offen für alle, der Eintritt ist frei. Wir laden Bewohner und Gäste, Kenner ebenso wie Neugierige, herzlich zum Besuch des ersten Orchesterkonzerts der Höri Musiktage 2020 ein.

Im Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 präsentiert sich das Festivalorchester 2020 unter der Leitung von Eckart Manke beim "Ochs auf dem Dach" mit viel Humor und Temperament einerseits,  beim "Tripelkonzert" mit Beethoven'scher Leidenschaft andererseits.

Erleben Sie mit dem Festivalorchester der Höri Musiktage europäisches Miteinander in Öhningen! 
Auch in diesem Jahr haben sich wieder eine Vielzahl Studierender aus Musikhochschulen weltweit beworben und im Auswahlverfahren für das Orchester qualifiziert.

Im Anschluss an den Festakt sind Sie herzlich eingeladen zum Geburtstagsfest: Beethoven lädt ein...

Kommen Sie mit den jungen Musikerinnen und Musikern ins Gespräch und feiern Sie mit ! Es erwartet Sie ein buntes Fest-Programm !

Konzertprogramm des Festaktes:

Darius Milhaud: Le boeuf sur le toit

Ludwig van Beethoven: Tripelkonzert für Violine, Violoncello, Klavier und Orchester op. 56
Allegro - Largo - Rondo alla Polacca

Elina Buksha, Violine
Aurélien Pascal, Violoncello
Pavel Kolesnikiv, Klavier
Festivalorchester, Dirigent Eckart Manke

Erläuterungen zum Programm:

Der französische Komponist Darius Milhaud begleitete 1916 - 1918 als Attaché seinen Dichterfreund Paul Claudel, als dieser als französischer Botschafter nach Rio de Janeiro entsandt wurde. Die brasilianische Folklore und Popularmusik, die Milhaud dort kennen lernte, beeinflusste  - wie auch der Jazz - in den folgenden Jahren seine Kompositionen in starkem Maße. Zurück in Paris benutzte er 1919 brasilianische Melodien für die Komposition einer Cinéma-Fantaisie, einer Filmmusik für Charles Chaplin; sie war von dem Lied Le bœuf sur le toit inspiriert, einem brasilianischen Tango, einem Tanzmusikstil mit Wurzeln in Polka, Lundu und Habanera. Das Bild das Ochsen auf dem Dach entsprach ideal der surrealistischen Lust am traumähnlich Absurden.  Der Tango wird rondo-artig immer erneut wiederholt, dazwischen werden knapp 30 Melodien aus der brasilianischen Folkore fast unverbunden aneinander gereiht. Dabei moduliert der Komponist das Material einmal durch den kompletten Quintenzirkel, so dass es in 20 Minuten fast alle Moll- und Dur-Tonarten durchläuft. Macht sich Milhaud da über die Musiktheorie lustig, oder nimmt er geistlose Etüden aufs Korn? Bei jedem neuen Einsatz des Tangos ertönt das Thema um eine kleine Terz nach oben, bei jedem vierten Erklingen um einen Ganzton nach unten transponiert. Der auf diese Weise entstehende mechanische Effekt ewiger Wiederholung trägt zur komischen Wirkung des Stücks bei. Für Abwechslung sorgen viele Tempowechsel, wechselnde  Rhythmen und harmonische Reibungen durch polytonale Klänge, also das gleichzeitige Auftreten von mehreren Tonarten.
Zu dem Stummfilmprojekt kam es nie, statt dessen wurde Le boeuf sur le toit bei der Pariser Uraufführung 1920 als Musik zu einer Ballett-Pantomime von Jean Cocteau gespielt, nun mit dem Untertitel The Do-Nothing-Bar – gemeint war eine der berüchtigten illegalen Speakeasy Bars, die während der Alkoholprohibition in den USA von 1919 bis 1933 Bier und hochprozentige Getränke ausschenkten.
Bald wurden Bars nach Milhauds Werk benannt, unter anderem das berühmte Musik-Cabaret und Restaurant in Paris, in dem sich zwischen den Weltkriegen Künstler und Intellektuelle trafen.

Beethoven schrieb das Tripelkonzert um das Jahr 1804, zeitgleich mit der Arbeit an der 3. Sinfonie. Es blieb eines der unbekannteren und seltener aufgeführten Werken des Komponisten. Verwandt ist es mit dem von Haydn und Mozart gepflegten Genre der Sinfonia Concertante, aber insofern innovativ, dass zum ersten Mal ein Klaviertrio die Solistenrolle übernimmt. Diese Art des Instrumentalkonzerts blieb über nahezu 100 Jahre ein Einzelfall in der musikalischen Gattungsgeschichte. Das Solistenensemble interagiert vielfältig mit dem Orchester und bewahrt gleichzeitig eine gewisse kammermusikalische Intimität. Dabei hat häufig das Cello eine Führungsrolle, es stellt die meisten Themen vor und glänzt mit virtuosen Passagen in den höchsten Höhen. Durch dieses Übergewicht des Cellos kommt das Tripelkonzert stellenweise einem (von Beethoven leider nie geschriebenen) Cellokonzert nahe.
Beethoven hielt das thematische Material recht einfach und vermied eine komplexere Verarbeitung, vermutlich um mit einem eingängigen Werk ein breiteres Publikum anzusprechen.
Der erster Satz ist ein langes, weit ausholendes Allegro, es folgt  ein gesanglich angelegtes Largo und  ein stürmisches Rondo alla Polacca als Finale.
Das lange wenig beachtete Werk erhielt 1969 neue Aufmerksamkeit durch eine Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan und drei weltberühmten Solisten. Die  anscheinend nicht spannungsfreie Zusammenarbeit der Koryphäen beschrieb der Cellist Mstislaw Rostropowitsch in seinen Erinnerungen so: "Ich habe versucht, Beethoven zu spielen, David [Oistrach] hat geglaubt, er spielt Beethoven, Swjatoslaw [Richter] spielte wie immer nur sich selbst und Karajan glaubte, er ist Beethoven."

Mitwirkende